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 Segen

Segen

Der Segen Gottes:

Das Ansehen der Person

Die hebräische Wortwurzel für segnen „brk“ bedeutet eigentlich „ansehen“. Die uralte Geste des Segens antwortet damit auf menschliche Bedürfnissse, die für uns als soziale Wesen das ganze Leben hindurch grundlegend bleiben: Zuwendung und angesehen werden, angesprochen und anerkannt werden.

Die neuere experimentelle Erforschung des Säuglingsverhaltens hat gezeigt, dass das wechselseitigen Ansehen im frühkindlichen Zusammenspiel mit der Mutter wesentlichen Einfluss auf die Beziehungsprägung des Kindes seiner späteren Welt gegenüber ausübt.

Genau diese Situation - das Gesicht der Mutter, das liebevoll über dem Bett des Kindes erscheint - bildet sich im Aaronitschen Segen (Num 6,24-26) ab:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht
über dich leuchten und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu
und schenke dir Heil.

Martin Luther erwähnt den Aaronitschen Segen, der eigentlich in der kultischen Tradition des Tempel- und Synagogen-gottesdienstes zuhause ist, als eine Möglichkeit des Schlusssegens auch für den christlichen Gottesdienst. Doch erst im 19. Jahrhundert setzte er sich in der evangelischen Liturgie durch.

Der Segen des Geistes:

Weitergabe von Lebenskraft

Das griechische Wort für Segen „eulogein“ und das lateinische „benedicere“ bedeuten beide „Gutes sagen“. Im Deutschen ist davon das kaum noch gebräuchliche „benedeien“ abgeleitet.

Wenn sich ein Kind auf den Schulweg macht, wird ihm die Mutter vielleicht ein Pausenbrot mitgeben, ihm durch die Haare wuscheln und es mit einem guten Wunsch losschicken. In dieser alltäglichen Geste lebt etwas fort, was sich auch in den Segenshandlungen der Religionen erhalten hat und tief zurückreicht in die Wurzelgründe magisch-rituellen Denkens. Das gute Wort, das als Segen gesprochen wird, teilt nicht nur einen gedanklichen Inhalt mit, sondern wird als sprachliche Handlung erfahrbar, in der etwas geschieht: die Übertragung von Lebensenergie.

Diese Dimension des Segens erschließt sich erst, wenn man sich klar macht, dass die Lebenskraft, die uns erfüllt und trägt, nicht unsere ist. Bildlich gesprochen wird uns das Leben mit dem ersten Atmen eingehaucht und mit dem letzten Atemzug verlässt es den Körper wieder. Mythologisch gesprochen ist es Gott, der dem Menschen (Adam) seinen Lebensodem eingehaucht hat.

Das Leben, das (von Gott) in uns hinein kommt, fließt durch uns hindurch, und wir können diesen Lebensfluss nur erhalten, wenn wir ihn fließen lassen, also die Lebenskraft, die wir erhalten, auch wieder abgeben, weitergeben. Wir sind nicht von Geburt an mit einer bestimmten Menge an Lebenskraft ausgestattet, die wir ängstlich einteilen müssen. Sondern wenn wir unsere Kraft einsetzen, fließt uns auch wieder neue Kraft zu. Segnen ist eine Art der bewussten Weitergabe der göttlichen Lebenskraft.

In der Bibel ist zunächst Gott allein der Träger und Spender der Segenskraft, die alles wachsen und gedeihen lässt. Aber er ermächtigt auch andere, seinen Segen weiterzugeben:

„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1.Mose 12,2-3)

Sehr alt ist der Traditionsstrang des Väter- ( und Mütter-) segens, z.B.: Isaaks Segen (1.Mose 27) oder Jakobs Segen (1.Mose 48-49). Eltern sind die ersten „Priester“ ihrer Kinder. Sie führen sie heran an die Geheimnisse des Lebens (oder halten sie davon fern).
Segnen ist also kein Privileg von religiösen Amtsträgern. Segen ist allen in die Hände gelegt.

Angemessen ist freilich eine gewisse Ehrfurcht in Bezug auf das Segnen. Man sollte vorsichtig und zurückhaltend mit dieser Geste umgehen, bis man selbst einen inneren Zugang zu ihr gefunden hat. Auch dann sollte das Segnen mit Demut verbunden bleiben, denn es ist ja nicht meine Kraft, die da fließt, sondern Gottes. Andererseits will ein Segen auch bewusst, kraftvoll und persönlich weitergegeben werden. Er ist deshalb so direkt wie möglich zu sprechen, als Zusage: „Gott segne dich/euch ..." und nicht nur als Bitte „Herr, segne uns...“. Auch der Segenzuspruch bleibt natürlich Gebet und Bitte.

Segnender Engel im Turm der Nordwohlder Kirche

Der Segen des Sohnes:

Das Zeichen des Kreuzes

Im Neuen Testament werden nur wenige Segenshandlungen erwähnt. Von Jesus selbst sind zwei Anlässe überliefert, bei denen er segnete: die Kindersegnung (Mk 10,6) und sein Abschiedssegen bei der Himmelfahrt (Lk 24,50).

Ansonsten finden sich Segensformeln vor allem zu Beginn und am Ende vieler Briefe, zum Beispiel: 2.Kor 13,13

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Neben solch trinitarischen Segensformeln, in denen drei wesentliche Aspekte des Segens zusammengefasst werden, besteht ein entscheidender Beitrag des Christentums zur Segenskultur im Zeichen des Kreuzes, das die Segensgeste abschließt. Unser Wort „Segen“ kommt vom lateinischen „signare“, das „zeichnen“ bedeutet, also: mit dem Zeichen des Kreuzes „bezeichnen“.

Altar-Kruzifix in der Nordwohlder Kirche

Der liturgische Segen:

Geleit auf der Schwelle

Jeder Gottesdienst endet mit einem Segen, mit einer Übertragung der heilsamen Kraft Gottes. Sie ermöglicht den Aufbruch aus dem Schutzraums des Heiligen in die unübersichtliche Welt, in der die Gemeindeglieder Gefahren und unheilen Einflüssen ausgesetzt sind.

An den individuellen Lebensübergängen wird ein persönlicher Segen meist als besonders wichtig erfahren, weil in diesen kritischen Zeiten unwiderruflich etwas zuende geht und die Zukunft noch ungewiss bleibt.

Die klassischen Schwellen des Lebens (Geburt, Jugend, Hochzeit, Tod), werden traditionell von kirchlichen Übergangsriten begleitet (Taufe, Konfirmation, Trauung, Aussegnung und Bestattung). Daneben ergeben sich neue Einschnitte, an denen Segen angebracht ist: Einschulung, Silberhochzeit, Goldene Hochzeit (Erneuerung des Bundes), Goldene Konfirmation (Übergang in den Ruhestand) ... Aber auch unvorhersehbare persönliche Krisen (Krankheit, Arbeitsplatzverlust, Trennung, Trauer ...) oder Jahreswechsel sind Zeiten, in denen man sich nach Segen sehnt.

Der liturgische Segenszuspruch erfolgt unter Auflegung der Hände. Mit der Geste der erhobenen und ausgebreiteten Arme wird der versammelten Gemeinde zeichenhaft „die Hand aufgelegt“, um die Zuwendung Gottes auch körperlich sichtbar zu machen.

In manchen Gottesdiensten (Taufe, Konfirmation, Trauung Aussegnung, aber auch in besonderen Segnungsliturgien) geschieht die Handauflegung noch unmittelbarer als persönliche Berührung. In manchen Segnungsgottesdiensten wird der Segen mit dem anhaftenden Zeichen einer Salbung verbunden.

Solche Intensivierungen dienen einer vertieften Erfahrung und damit dem persönlichen Bedürfnis nach Vergewisserung der göttlichen Segenszuwendung; letztlich geschieht aber durch Handauflegung oder Salbung nichts anderes, als was bei jedem Segen am Ende des sonntäglichen Gottesdienstes geschieht.


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letzte Änderung: 15.05.2010